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Auch dies wird vorübergehen

Vor etwas mehr als einem Monat hat uns ein ungewöhnlich positiver Konsens gefragt, ob die Aktien keinen taktischen Spielraum mehr haben. Wenig wussten wir: Die Ausbreitung des Coronavirus außerhalb Asiens führte dazu, dass US-Aktien im Februar ihre schnellste Nachkriegskorrektur verzeichneten (definiert als ein Rückgang von 10% gegenüber ihrem Höchststand). Die Märkte sind im März bis heute stark zurückgegangen.

Die vorläufige Wiederbelebung des globalen Wachstums, die US-Wahlen und die meisten anderen Themen wurden beiseite gelegt, da dieser positive Konsens verflogen ist. Wir stehen erneut vor einer Mauer der Sorge, und als natürliche Gegenspieler – und begeisterte Schüler der Art und Weise, wie Medien und Märkte interagieren – befinden wir uns wieder auf einem bekannteren Boden.

Die humanitären Kosten des Ausbruchs können leider kaum übertrieben werden. Aber ist die wirtschaftliche und finanzielle Stimmung eine Überreaktion?

Wir können nicht genau wissen, wann sich die globale Ansteckung verlangsamen wird oder ob die Schätzungen der Todesraten konvergieren. Die Störung des Geschäfts dürfte erheblich sein: Nachdem die Aussicht auf eine Rezession Ende 2019 aus dem Blickfeld zurückgegangen ist, ist sie wieder näher gerückt.

Die panische Reaktion der Zentralbanken, die in diesem Zusammenhang ebenso unlogisch wie unwirksam erscheint, beruhigt uns auch nicht sehr.

Dennoch berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO), dass sich die Ansteckung in China seit einigen Wochen verlangsamt. Die wirtschaftliche Störung mag nicht lange anhalten – aber wenn doch, vermuten wir, dass eine Rezession in diesem Zusammenhang weniger bedrohlich als gewöhnlich ist, nicht mehr. Und von ihrem zugegebenermaßen hohen Ausgangspunkt aus scheinen die Kursverluste an den Aktienmärkten für uns größer zu sein als der wahrscheinliche Wert eines verlorenen Geschäfts.

Angesichts dieses alarmierenden Blitzes aus heiterem Himmel raten wir geduldigen Anlegern, fest zu sitzen und auf mehr Klarheit zu warten – aber nach Möglichkeiten zu suchen, um langfristige Positionen zu verbessern, anstatt sie zu kürzen.